Stellungnahme zur Entwicklung der Herstellung und zum Einsatz von Drohnensystemen in Polen

Am Dienstag, dem 18. August 2026, fand in Warschau eine Sitzung des Koordinierungsrats der Drohnenhersteller statt, die auf Initiative von Prof. Dr. hab. Paweł Soroka – dem Koordinator der Polnischen Industrielobby und des COP-2-Projekts – organisiert wurde. Das Treffen im Sitz des Warschauer Vereins der Kulturschaffenden war der Darstellung des aktuellen Stands der Umsetzung des COP-2-Projekts, der Einordnung der Drohnenproblematik in dieses Vorhaben sowie der Festlegung der Handlungsrichtlinien des Rates für die kommenden Monate gewidmet. Die Thematik der Sitzung steht in direktem Zusammenhang mit der Tätigkeit der MBF Group S.A., die Projekte im Bereich unbemannter Systeme und Technologien mit doppeltem Verwendungszweck entwickelt.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Notwendigkeit einer besseren Koordinierung zwischen nationalen Unternehmen, Wissenschaftskreisen, Forschungsinstituten und dem Verteidigungssektor sowie die Schaffung von Rahmenbedingungen für die Erprobung, Einführung und sichere Nutzung polnischer Drohnenlösungen. Im Zusammenhang mit den Arbeiten des Rates wurde eine strategische Stellungnahme der Polnischen Industrielobby und der Initiatoren des COP-2-Projekts ausgearbeitet. Das Dokument zeigt die wichtigsten regulatorischen, operativen und technologischen Herausforderungen auf und enthält Empfehlungen zum Aufbau eines nationalen Ökosystems für unbemannte Systeme. Nachstehend veröffentlichen wir den vollständigen Wortlaut unverändert.

 


 

STRATEGISCHE STELLUNGNAHME

der Polnischen Industrielobby und der Initiatoren des COP-2-Projekts
über die Entwicklung der Herstellung und den Einsatz von Drohnensystemen in der Republik Polen

1. Einleitung

Unbemannte Systeme (UAV – Unmanned Aerial Vehicles sowie im weiteren Sinne UxV – unbemannte Luft-, Land- und Seesysteme) entwickeln sich zu einem der Schlüsselelemente der heutigen nationalen Sicherheit sowie der modernen technologischen Wirtschaft. Die Erfahrungen aus den jüngsten bewaffneten Konflikten sowie die rasante Entwicklung digitaler Technologien zeigen eindeutig, dass Drohnen derzeit eines der wichtigsten Instrumente für Aufklärungsmissionen, Kampfeinsätze, logistische Maßnahmen und Spezialeinsätze darstellen. Gleichzeitig geht die Entwicklung der Drohnentechnologie weit über militärische Anwendungen hinaus. Diese Systeme spielen im zivilen Bereich eine immer größere Rolle, unter anderem in folgenden Bereichen:

  • Überwachung kritischer Infrastrukturen,
  • Rettungswesen und Krisenmanagement,
  • in der Präzisionslandwirtschaft,
  • Transport und Logistik,
  • Grenzschutz.

Polen verfügt über ein beträchtliches Potenzial im Bereich der Entwicklung von Drohnentechnologien. Auf dem heimischen Markt ist eine wachsende Zahl von Technologieunternehmen, Forschungs- und Entwicklungsteams, akademischen Einrichtungen sowie Start-ups tätig, die sich mit der Entwicklung und Herstellung unbemannter Systeme befassen. Ohne die Ausarbeitung einer kohärenten staatlichen Strategie sowie einer entsprechenden organisatorischen und regulatorischen Infrastruktur besteht jedoch die Gefahr, dass dieses Potenzial ungebündelt bleibt und nicht in vollem Umfang für die Sicherheit des Staates und die wirtschaftliche Entwicklung genutzt wird.

2. Regulatorische Herausforderungen und Luftraum

Eines der größten Hindernisse für die Entwicklung der Drohnentechnologie in Polen ist das derzeitige System der Luftraumbewirtschaftung. Polen unterliegt als Mitgliedstaat der Europäischen Union und der NATO einer Reihe von Vorschriften zur Flugsicherheit, die in der Praxis den operativen Einsatz von Drohnen im zivilen Luftraum erheblich einschränken. Sie betreffen insbesondere:

  • ein Flugverbot über Menschenansammlungen,
  • Einschränkungen bei Flügen über bebaute Gebiete,
  • die Notwendigkeit, einen Abstand zum Flugverkehr einzuhalten,
  • Einschränkungen, die sich aus der Sicherheit kritischer Infrastrukturen ergeben.

In der Praxis bedeutet dies, dass ein erheblicher Teil der in Polen hergestellten Drohnensysteme derzeit nicht über die Voraussetzungen für umfassende Tests und den operativen Einsatz verfügt. Daher ist es erforderlich, ein integriertes System zur Steuerung des Drohnenverkehrs zu schaffen, das Folgendes umfasst:

  • digitales System zur Steuerung des unbemannten Luftverkehrs (UTM),
  • System zur Identifizierung und Überwachung von Drohnen,
  • Festlegung von Betriebs- und Testgebieten für unbemannte Systeme,
  • die Integration in Flugsicherungssysteme.

Diese Lösungen sollten mit den im Rahmen der NATO und der Europäischen Union bestehenden Luftraummanagementsystemen kompatibel sein.

3. Betriebssicherheit und Notfalltechnologien

Mit der steigenden Zahl von Drohnen im Luftraum steigt auch das Risiko von Zwischenfällen und Unfällen. Derzeit konzentriert sich ein Großteil der Technologieprojekte auf die Steigerung von:

  • Flugreichweite,
  • Tragkraft,
  • operative Autonomie.

Deutlich weniger Aufmerksamkeit wird hingegen den Fragen der Betriebssicherheit und den Notfallverfahren gewidmet. Insbesondere ist die Entwicklung folgender Technologien erforderlich:

  • Systeme zur automatischen Notlandung,
  • Fallschirmsysteme für Drohnen,
  • Redundanz der Steuerungs- und Kommunikationssysteme,
  • Autonome Algorithmen zur Auswahl eines sicheren Landeplatzes.

Ohne die Einführung solcher Maßnahmen wird es schwierig sein, gesellschaftliche und regulatorische Akzeptanz für einen umfassenderen Einsatz von Drohnen über bewohnten Gebieten zu erreichen.

4. Integration von Drohnensystemen in Systeme der künstlichen Intelligenz

Moderne Drohnensysteme fungieren nicht mehr als einzelne Einsatzplattformen. Ihre Effizienz beruht auf der Integration in folgende Systeme:

  • Künstliche Intelligenz,
  • Datenanalysen,
  • Satellitenaufklärung,
  • Führungs- und Kontrollsysteme.

Auf dem modernen Schlachtfeld kommen zunehmend integrierte Einsatzsysteme zum Einsatz, die Folgendes umfassen:

  • Schwärme von Aufklärungsdrohnen,
  • Angriffsdrohnen,
  • Landarbeiten,
  • autonome Logistiksysteme.

Die Koordination dieser Systeme erfordert hochentwickelte IT-Plattformen, die riesige Mengen an Betriebsdaten in Echtzeit analysieren. Daher ist es erforderlich, ein integriertes Kommandosystem für Drohnenoperationen zu schaffen, das Folgendes ermöglicht:

  • die Koordination der Aktivitäten zahlreicher unbemannter Systeme,
  • Echtzeit-Datenanalyse,
  • Unterstützung operativer Entscheidungen durch Systeme der künstlichen Intelligenz.

5. Cybersicherheit und Widerstandsfähigkeit von Drohnensystemen

Unbemannte Systeme sind besonders anfällig für Maßnahmen im Bereich der elektronischen Kriegsführung und für Cyberangriffe. Zu den am häufigsten angewandten Präventionsmaßnahmen gehören:

  • Störung des GPS-Signals,
  • die Übernahme der Kontrolle über Drohnen,
  • die Eingabe falscher Daten in Steuerungssysteme,
  • Störung des Funkverkehrs.

Daher muss die Entwicklung der Drohnentechnologie eng mit dem Aufbau von Kompetenzen in folgenden Bereichen verbunden sein:

  • Kryptografie,
  • Cybersicherheit,
  • elektronische Kampfkunst,
  • Resilienz von Kommunikationssystemen.

Ebenso unerlässlich ist die Bildung spezialisierter Entwicklerteams, die die Software für Drohnensysteme kontinuierlich weiterentwickeln und aktualisieren werden.

6. Integration der technologischen Umgebung

Polen verfügt über ein beträchtliches Potenzial im Bereich der Drohnentechnologie, doch ist diese Branche derzeit stark fragmentiert. An der Entwicklung unbemannter Systeme sind folgende Akteure beteiligt:

  • Privatunternehmen,
  • Technologie-Start-ups,
  • akademische Einrichtungen,
  • Forschungsinstitute,
  • Ingenieurkreise,
  • Verteidigungssektor.

Eine fehlende systemweite Integration dieser Bereiche kann zu Doppelarbeit, einer Streuung der Ressourcen und einer Einschränkung der Skaleneffekte führen.

Daher ist es notwendig, eine Kooperationsplattform zu schaffen, die die Bereiche Technologie, Industrie und Militär miteinander verbindet.

7. Einrichtung des Drohnenoperationszentrums der Republik Polen im Rahmen des großen strategischen Projekts COP 2.

Eines der zentralen Elemente der nationalen Strategie zur Entwicklung der Drohnentechnologie sollte die Einrichtung eines Drohnenoperationszentrums der Republik Polen sein.

Zu den Hauptaufgaben einer solchen Einrichtung könnten gehören:

  • Koordination von Forschungs- und Entwicklungsprogrammen,
  • Integration von Technologieumgebungen,
  • Entwicklung von Betriebs- und Schulungssystemen,
  • Erprobung neuer Technologien,
  • Erstellung von Betriebsstandards für Drohnensysteme.

Das Zentrum könnte als nationales Kompetenzzentrum im Bereich der unbemannten Technologien fungieren.

8. Wissenschafts- und Technologiezentrum für Drohnentechnologie

Um die Entwicklung der Drohnentechnologie in Polen zu beschleunigen, ist die Einrichtung eines spezialisierten wissenschaftlich-technologischen Zentrums sinnvoll, das Forschungs-, Produktions- und Anwendungsaktivitäten unter einem Dach vereint. Ein solches Modell ist in vielen technologisch fortgeschrittenen Ländern verbreitet, in denen im Rahmen eines einzigen Komplexes folgende Einrichtungen betrieben werden:

  • Forschungsinstitute,
  • Technologielabore,
  • Prototypenlinien,
  • Entwicklungszentren von Unternehmen.

Ein ähnliches Zentrum könnte in Polen im Rahmen einer Sonderwirtschaftszone oder eines Technologieparks in Zusammenarbeit mit folgenden Partnern entstehen:

  • der öffentlichen Verwaltung,
  • technische Hochschulen,
  • Forschungsinstitute,
  • der Privatwirtschaft.

9. Schlussfolgerungen und Empfehlungen

Um das Potenzial der Drohnentechnologie in Polen voll auszuschöpfen, wird Folgendes empfohlen:

  1. Ausarbeitung einer nationalen Strategie zur Entwicklung unbemannter Systeme.
  2. Entwicklung eines integrierten Managementsystems für den Drohnenverkehr.
  3. Entwicklung von Systemen für die Betriebssicherheit und von Notfallverfahren.
  4. Die Integration von Drohnensystemen in Plattformen für künstliche Intelligenz.
  5. Stärkung der Kompetenzen in den Bereichen Cybersicherheit und elektronische Kriegsführung.
  6. Die Integration von Wissenschaft, Technologie und Industrie.
  7. Einrichtung des Drohnen-Einsatzzentrums der Republik Polen.
  8. Gründung eines wissenschaftlich-technologischen Zentrums zur Entwicklung unbemannter Technologien.

Erstellt von einem Expertenteam unter der Leitung von Prof. dr. hab. Dipl.-Ing.Włodzimierz Adamski.

Prof. dr. hab. Dipl.-Ing. Włodzimierz Adamski ist Experte auf dem Gebiet des computergestützten Entwerfens und Fertigens (CAD/CAM) und gilt als einer der Pioniere bei der Einführung dieser Technologien in der polnischen Luftfahrtindustrie. Er war 42 Jahre lang bei PZL Mielec tätig, wo er unter anderem Aufgaben des leitenden IT-Beauftragten, des Direktors für Entwicklungsleiter und Technischer Direktor, wobei er an Projekten für die Flugzeugtypen Dromader, Iskierka, Iryda, An-28, M-28 Skytruck, ATR-42, ATR-72, Boeing 757 und Boeing 787 Dreamliner mitwirkte. Sein wissenschaftliches Werk umfasst mehr als 90 wissenschaftliche Arbeiten und über 150 in der Industrie umgesetzte Großprojekte sowie die Monografie „Ausgewählte Probleme der CAD/CAM-Konstruktion und -Fertigung in der Maschinenbauindustrie“. Er war unter anderem in der Lehre tätig, an der Technischen Universität Rzeszów und der Technischen Universität Warschau sowie durch sein Engagement bei SIMP, NOT und dem Verein ProCAx, wo er sich für die Verbreitung computergestützter Ingenieurssysteme einsetzte. Für seine wissenschaftlichen, technischen und organisatorischen Leistungen wurde er unter anderem ausgezeichnet mit mit dem Titel „Goldener Ingenieur 2022“, dem Goldenen und Silbernen Verdienstkreuz, der Diamantenen Ehrenplakette der NOT sowie dem Titel „Mielczaner des Jahres 2023“.